Mittwoch, 17. November 2010

In so eine Anstalt geht man gerne.

Da ist schon einmal Feiertag in Sachsen und schon hat man keine Zeit. Praktikumsvorbereitungen rauben einem jede Minute für Musik oder Kunst. So dass einem nur der Blick auf die abendliche Wiederholung seiner Lieblingssendung bleibt.

Im Nachhinein, ärgert man sich schon, dieses fulminante Feuerwerk eloquenter und kritisierender Redebeiträge verpasst zu haben. Die Liste der Vortragenden liest sich wie ein vorzeitiges Geschenk an die Kabarettfreunde der Republik: Urban Priol, Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Jochen Malmsheimer, Hagen Rether und Rainald Grebe.
Die "Anstalt" so gut besetzt wie lange nicht. Vergessen die Tage, wo ein Michael Mittermeier, in DER Kabaretinstitution der Republik, verzweifelt versucht hat, dem politisch interessierten Publikum einen Lacher abzugewinnen. Zu schmerzhaft der Abschied von Georg Schramm. Doch die neue "Anstalt" hat Kraft, Wortstärke und vorallem eines: Zorn, Zorn auf Ungerechtigkeiten seitens der Regierung und Wirtschaft gegenüber dem einfachen Bürger und Menschen.
Die aktuelle Verdrehung von Tatsachen, wo aus demokratischen Mitbürgern, Straftäter gemacht werden, ist allgegenwärtig. Natürlich kann man nicht leugnen, dass viele Krawallmacher die aktuellen Demonstrationen nutzen um ihrem Bedarf nach Gewalt nachzukommen. Aber um diese Menschen geht es in den meisten Fällen nicht nicht.
Demokratie lebt vom Diskurs und lebt von unterschiedlichen Meinungen. Doch dieser Diskurs wird in letzter Zeit abstrus und negierend von oben herab geführt. Menschen die sich beginnen  politisch einzusetzen, werden misstrauisch beäugt oder belächelt und in letzter Zeit zunehmend kriminalisiert, da sie ein Potential sind, welches der aktuellen Politkergeneration gefährlich werden kann. "Mehr Demokratie wagen" - ist von der aktuellen Regierung nicht zu erwarten. Und so schallt es aus jedem Sprachrohr der Konservativen gegen die Menschen, die sich, ob gegen S21 oder gegen den Atomkompromiss(welch lächerliches Wort), engagieren.

So ein regelmäßiges politisches Engagement ist nur schwer den Leuten zu vermitteln. "Das bringt doch nichts" oder "Mach lieber was nützlicheres" hört ich dann oft. Das mag sein, doch lieber kanalisiere ich meinen Unmut und Zorn, in dem ich versuche das politische System mit zu gestalten, als in Gewaltausbrüche gegen meine Mitmenschen oder gegen meine Mitwelt. Es ist erschreckend, das viele Menschen, die Wahl boykottieren oder schlimmer, in Ermangelung an, ihrer Meinung nach vertrauensvollen Parteien, Demokratiefeinde wie die NPD wählen. Leider ist es nicht einfach für die breite Masse der Bevölkerung am Demokratieprozess teilzunehmen, denn jeder hat ja wichtigere Verpflichtungen wie Familie, Hobbys und Arbeit, sodass kaum Zeit für lange Debatten und Anfragen, bei örtlichen Abgeordneten bleibt. Auch versteht der Laie das schwere Behördendeutsch nicht wirklich. Es bräuchte letztlich jemanden, der die unverständlichen Gesetze, wie Martin Luther die Bibel aus dem Lateinischen, in das Deutsche übersetzt.

Doch "Neues aus der Anstalt", wird dieser Martin Luther nicht sein. Dazu reicht ihre Sendezeit leider nicht, aber sie werden weiterhin den politischen Unsinn und Wirrwarr monatlich auf die Schirme bringen. Ich hab mich jedenfalls köstlich amüsiert und dabei noch etwas viel wichtigeres bekommen: Inspiration.
Ihr Zorn hat mich inspiriert diesen politischen Blog zu eröffnen. Was in der "Anstalt" mit einem Sitzstreik endet ist bei mir der Anfang einer hoffentlich wutmindernden Zeit.

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